Die Arbeiten sind auf alten Briefumschlägen aus Recyclingpapier in Mischtechnik erstellt. 16,2cm x 22,9cm


Die Ausstellung „konsumsplitter“ greift verschiedene Aspekte der Auseinandersetzungen um die europäische Migrationspolitik auf. Einen Schwerpunkt bilden 30 Papierarbeiten zur globalen Konsumgesellschaft: den Auswirkungen von Konsum, Handel und europäischer Subventionspolitik auf die Lebensbedingungen in afrikanischen Staaten.konsumsplitter

Hintergrund ist die Frage nach Fluchtgründen und dem Zusammenhang zu europäischer Politik.

Splitter. Die Themen der Arbeiten sind weder vollständig, noch sind sie in den Begleittexten erschöpfend behandelt. Die Begleittexte wurden von agis (antirassistische Gruppe internationale Solidarität, Darmstadt) verfasst. Es sind Fragmente, die aus Pressemitteilungen und Veröffentlichungen erarbeitet wurden.

Um weitere Splitter von Euch/Ihnen zu sammeln haben, gibt es konsumplitter teilen.


Agrosprit / Biosprit | Baumwolle | Erdöl | Fisch | Frontex |Gasflaring | Hühnerreste | Kakao | Kartoffeln | Kleider | Landraub | Milchpulver | Mittelmeer | Rosen | Seltene Erden | Soja | Tomatenpaste | Wasser


Agrosprit / Biosprit

Die Produktion von Agrotreibstoffen ist zur Konkurrenz für die Nahrungsmittelproduktion geworden. Agrotreibstoffunternehmen konkurrieren mit Bäuerinnen und Bauern um den Zugang zu Anbauflächen. Dies scheint unter anderem für den Anbau der Jatropha-Pflanze zu gelten, die seit einigen Jahren zur Produktion von Biokraftstoffen besonders empfohlen wird. Angeblich wächst sie nur auf Brachland. In Tansania wurden tausende Reis- und Maisbauern vertrieben, um auf ihrem Land Jatropha, Sonnenblumen und Zuckerrohr anzubauen. In Ghana werden für den Jatropha-Anbau ganz besonders Bäuerinnen von ihrem Land verdrängt. Wertvolle Nahrungsquellen wie der Sharitébaum oder Néré werden zugunsten von Plantagen abgeholzt.

Deutsche Investoren haben in den letzten Jahren 525.000 Hektar Land in Afrika gekauft – z.B. allein die Münchner Acazis AG 300.000 Hektar, unter anderem für den Anbau von Jatropha. Die Flächen liegen zu einem großen Teil im vom Hunger geplagten Äthiopien.

Die JatroSolutions GmbH hat 3.000 Hektar in Madagaskar für den Anbau der Jatropha-Pflanze gekauft. Hauptanteilseigner dieses Unternehmens ist die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW).

In Tansania, Madagaskar und Ghana fanden nach Landnahmen durch ausländische Unternehmen Proteste statt. Die Unternehmen wurden beschuldigt, die örtlichen Bäuerinnen und Bauern irreführend zu informieren, Gemeindeland von betrügerischen vermeintlich Besitzenden zu erlangen und Umweltschutzgesetze zu umgehen. In Madagaskar führten die Proteste 2008 zum Rücktritt des Präsidenten.

Verlieren lokale Gemeinden den Zugang zu ihren traditionellen Anbauflächen, sind sie mehr und mehr mit Nahrungsengpässen und Hunger konfrontiert – ihr Menschenrecht auf Nahrung ist bedroht.


Agrosprit: Negative Klimabilanz und Landkonflikte
, BUND 3/2015

< a href=“http://www.bund.net/publikationen/bundletter/12015/agrosprit_agrarsprit_palmoel/“ target=“_blank“>Höhere Beimischungsquote, weniger Menschenrechte und Klimaschutz, BUND 1/2015

Biofuels: Effects on Global Agricultural Prices and Climate Change Studie von Harald Grethe, Andre Deppermann und Sandra Marquardt, Universität Hohenheim. Im Auftrag und Herausgegeben von Oxfam Deutschland und der Heinrich-Böll-Stiftung. Mit deutscher Zusammenfassung der Studie.

Stop Biosprit: Kein Essen im Tank OXFAM, 6.7.2013

Landnutzungsänderungen, Umweltinstitut München, 2011

Afrika: für jedermann zu haben, Ausmaß und Auswirkungen von Landnahme für Agrotreibstoffe, Report von Friends of Earth Europe, Juni 2010

Agrarsprit und Bio-Energie, Weltagrarbericht

INKOTA Netzwerk

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Baumwolle

Für den Anbau der Baumwolle eines T-Shirts werden rund 150g Gift auf dem Acker versprüht und bis zu 2.000 Liter Wasser verbraucht. Der direkte Kontakt mit gefährlichen Pestiziden ist mangels Aufklärung und Ausrüstung die Regel, gesundheitliche Beschwerden die Folge und Vergiftungen bis hin zum Tod keine Seltenheit. Mittlerweile stammen rund 75% der weltweit erzeugten konventionellen Baumwolle von genmanipulierten Pflanzen.

99% aller Baumwollbäuerinnen und -bauern leben in Ländern des globalen Südens und bewirtschaften jeweils weniger als 2 Hektar Land. Bis zum Jahr 2000 garantierte in Mali die Gesellschaft für die Entwicklung der Textilindustrie (CMDT), ein halbstaatliches Unternehmen, einen festen Abnahmepreis für Baumwolle. Auf Druck der Weltbank und des IWF wurde die CMDT privatisiert. Der Baumwollpreis wurde 1999 für die Länder des globalen Südens an den Weltmarktpreis angeglichen. Als dann der Weltmarktpreis fiel, führte dies zu einem Sturz des Baumwollpreises in Mali.

Europäische Bäuerinnen und Bauern erhalten mit 5 US-Dollar pro Kilogramm Baumwolle die höchsten Subventionen weltweit. 2003 haben Bäuerinnen und Bauern aus Mali mittels 800.000 Unterschriften bzw. Fingerabdrücken eine Klage der malischen Regierung vor dem WTO-Schiedsgericht gegen subventionierte Dumping-Baumwolle aus den USA und der EU wesentlich unterstützt. Das Schiedsgericht der WTO in Genf hat die Subventionen der EU und der USA im April 2005 für unzulässig erklärt. Weder die EU noch die USA veranlassten jedoch grundlegende Schritte zum Abbau der Subventionen.

Bislang konnte in Mali die – insbesondere durch den Saatgutkonzern Monsanto, die Weltbank sowie diverse private Stiftungen – forcierte Einführung von gentechnisch manipulierten Baumwollpflanzen bis heute verhindert werden.

Fragen und Antworten – Bekleidung – Baumwolle Anbau, Umweltinstitut München e.V., Juli 2012

Baumwolle in Mali und Gambia, Stellungnahme der Baumwollproduzenten zu den Reformen im afrikanischen Baumwollsektor. Mali – Gambia

Der globale Widerstand wächst, Bäuerliche Bewegungen machen mobil gegen neokolonialen Landraub. Von Olaf Bernau, erschienen in: ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 569 / 17.2.2012

Preisverfall mit Folgen, Baumwollbauern in Mali leiden unter den Subventionen des Westens. Von Bettina Rühl, Deutschlandfunk 02.06.2007

Baumwollanbau: Dem Weltmarkt ausgeliefert, in Fluchtursache Reichtum, medico international, S.18 ff, 2011

Let’s make Money, Film von Erwin Wagenhofer, in dem Baumwolle ein Thema von mehreren ist. 2008

NaBu Pressedienst: Die Baumwolle – von Natur keine Spur, Februar 2009

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Erdöl

Der Rohstoffreichtum Nigerias im Nigerdelta ist ein Fluch für die Menschen aus den umliegenden Dörfern. Viele haben die verwüstete Umwelt schon verlassen. Nach einer Studie einer nigerianischen Universität im Jahr 2011 sind 2,4 Mio. Barrel Erdöl in das Nigerdelta gesickert. Militärpatrouillen zum Schutz der Förderanlagen gehören zum Alltag.

1989 begannen die Ogoni, die einen Teil des Nigerdeltas bewohnen, sich organisiert gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu wehren. Nach Demonstrationen mit über 300.000 Menschen musste Shell 1993 seine Produktion im Ogoni-Gebiet vorübergehend einstellen. Die Folge war ein Schauprozess, nach welchem einige Aktivisten hingerichtet wurden. Durch die militärische Besetzung des Gebietes wurde die weitere Ölförderung gesichert. Da sich die Bedingungen für die Menschen nicht verbessert haben, dauert der Widerstand bis heute an.

Im Herbst 2012 gelang es vier nigerianischen Bauern und Fischern Shell, den größten ausländischen Ölproduzenten in Nigeria, wegen der Verseuchung ihrer Dörfer vor ein Gericht in Den Haag zu bringen. Im Januar 2013 wies das Gericht die Klage größtenteils ab. Lediglich einen Bauern muss Shell Nigeria für die Verschmutzungen entschädigen.

Gericht verurteilt Shell zu Schadenersatz, Süddeutsche Zeitung, 30.1.2013

Verheerend im Nigerdelta, von Peter Kleinert, Neue Rheinische Zeitung, 24.08.2011

Jutta Sonnewald berichtet für das ZDF über Unternehmen und Finanzdienstleister, die massiv von Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung und Korruption profitieren, 10.12.2012

Fancing Finance: Royal Dutch Shell in Nigeria

Die Kloake der Ölindustrie, amnesty international, 2009

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Fisch

Die EU verfügt über eine Fischereiflotte, die bedeutend größer ist, als es für die Fischbestände der Union erforderlich wäre. Die Fischereiflotte beutete die Bestände in der Nordsee, der Ostsee, dem Mittelmeer und im Schwarzen Meer so aus, dass die europäischen Fangflotten keine ausreichenden Gewinne mehr einfahren können. Aus diesem Grund hat die EU Fischereiabkommen mit mehr als 20 Ländern abgeschlossen. Vor der westafrikanischen Küste, vor den Kapverden, Mauretanien, dem Senegal oder der Westsahara fischen große Industrieschiffe. Für die Fischer entlang der Küste bleibt so kaum etwas übrig.

Hochsubventionierte riesige Fischtrawler der EU-Staaten fischen an einem Tag so viel wie 40 bis 50 Boote afrikanischer Fischer in einem ganzen Jahr. Nur die Hälfte der 800 Fangschiffe von EU-Ländern fischt im Rahmen von offiziellen Fischerei-Abkommen. Der Rest fährt unter anderer Flagge oder hat private Vereinbarungen. Der vor den Küsten Afrikas gefangene Fisch wird direkt auf den Fabrikschiffen weiterverarbeitet und dann wieder, teilweise subventioniert, zu Dumpingpreisen auf den afrikanischen Markt gebracht. Auf diese Weise wird der gesamte Fischereisektor Westafrikas in den Ruin getrieben.

Aufgrund der Überfischung verlieren viele Fischerinnen und Fischer Westafrikas ihre Lebensgrundlage und verkaufen ihre Pirogen für die Überfahrt nach Europa. Häufig sehen sie sich selbst zur Migration gezwungen.

Die Gemeinsame Fischereipolitik der EU – Trendwende zu nachhaltigem Management dringend nötig, wwf 10.12.2015

Wegweisender Einkaufshelfer Fisch, Greenpeace

ökofair: Fangquoten und Fischereiabkommen

Leergefischt – Raubzug vor Westafrika Südwind.at über die sozialen Auswirkungen der Überfischung der Meere auf Ghana. 2012.

Europas Megatrawler auf Beutezug vor Afrika – Die EU zahlt jedes Jahr Millionen, damit ihre Flotte vor Afrika fischen kann. Die Meere leeren sich, heimische Fischer werden verdrängt. Zeit Online, von Marlies Uken 02.04.2012

Raubfischerei durch die EU, medico international, 29.3.2011

EU-Fischerei: Subventionen für die Plünderung der Meere, Sigrid Totz 27.02.2012

Fischbestände erholen sich wegen Piraterie – Kommerzielle Fischerboote wagen sich nicht mehr in Küstengewässer vor, melden afrikanische Fischer, Der Standard, 24.1.2010

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Frontex

Die „Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen“, kurz Frontex (für „Frontières extérieures“), hat ihren Sitz in Warschau. Von dort aus dirigiert sie nationale Einsatzkräfte bei der Küstenüberwachung sowie Soforteinsatzteams für Grenzsicherungszwecke. Dabei verstößt Frontex immer wieder gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, das Seerecht und die Genfer Flüchtlingskonvention. Im Jahr 2012 hat der Europäische Gerichtshof die sog. „Push-backs“, die Zurückweisungen von Flüchtlingen auf hoher See, für menschenrechtswidrig erklärt. Dennoch ist dies weiter Praxis, wie der Leiter von Frontex, Ilkka Laitinen in der Sendung Monitor vom 17.10.13 zugeben musste.

Seit ihrem Bestehen 2005 erstellt Frontex Risikoanalysen über Fluchtwege und sorgt für verstärkte Grenzsicherung an den zentralen Punkten. Dies führt dazu, dass die Flüchtenden immer längere und gefährlichere Wege auf sich nehmen müssen, um nach Europa zu kommen. Frontex sichert nicht nur die Außengrenzen der EU sondern kooperiert zunehmend mit Ländern wie Marokko, Mauretanien, Mali, Libyen u.a., um zu verhindern, dass Flüchtlinge ihren Weg überhaupt antreten.

Frontex verletzt Menschenrechte Die Grenzagentur Frontex fängt Flüchtlinge auf See ab und schickt sie zurück. Das ist menschenrechtswidrig und verstößt gegen die Genfer Konvention. taz 17.10.2013

Report Mainz Bericht über Frontex (11min), 2011

FRONTEX – Einsatz gegen Flüchtlinge – Festung Europa – ARTE/NDR Reportage 08.10.2013

EU-Grenzpolizei – Frontex, die umstrittene Grenzgängerin, Zeit-Online, 18.10.2013

Human Rights Watch: The EU’s Dirty Hands, 2011

Zweifelhafte Erfolge von Frontex Die Grenzschutzagentur vermeldet eine sinkende Zahl von illegalen Grenzübertritten. Ein Grund ist, dass wieder mehr Migranten auf der Flucht ertrinken. taz, 19. 04. 2013

Schutz der eu­ro­päi­schen Au­ßen­gren­zen – Fron­tex, Bundesministerium des Inneren

Frontex-Operationen, Beispiele (englisch): Abschiebungen nach Nigeria, Hermes, Bekämpfung irregulärer Grenzübertritte auf dem Mittelmeer

Europa schottet sich ab: Wer zahlt den Preis für unseren Wohlstand Jürgen Gottschlich, Sabine am Orde (Hg.), 2011

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Gasflaring / Verbrennen von Begleitgas bei der Erölförderung

In der Regel wird bei der Erdölgewinnung ein Begleitgas freigesetzt, um den Druckaufbau im Untergrund zu verhindern. Dieses Gas beinhaltet zum Großteil Methan und andere Kohlenwasserstoffe, außerdem Schwefelwasserstoff, Kohlendioxid, Stickstoff, Edelgase und Schwermetalle. Mit einem technischen Mehraufwand könnte das Gas vom Rohöl abgetrennt und zur Nutzung aufbereitet werden.

Stattdessen wird es aber von den Ölunternehmen meist abgelassen (gas venting) oder abgefackelt (gas flaring).
Das größte Erdölfördergebiet in Afrika ist das Nigerdelta. Seit Jahrzehnten wird dort durch die Erdölförderung die Lebensgrundlage der Bevölkerung vernichtet. Öllecks aufgrund veralteter Leitungen und Gasfackeln vergiften die Luft, die Böden und das Wasser. Nach Russland ist Nigeria das Land, in dem am meisten gas flaring betrieben wird.

In Nigeria brennen Gasfackeln des Ölkonzerns Shell Tag und Nacht. Seit 1979 benötigen Ölunternehmen in Nigeria eine staatliche Genehmigung, wenn sie Begleitgas verbrennen. Inzwischen ist es verboten. Eine Durchsetzung des Verbots findet nicht statt. Der nigerianische Staat erhält 55% der Einnahmen der Ölproduktion. 2009 machte das Erdöl 95% der Exporte und 80% der Staatseinnahmen aus. Die Gewinne des europäischen Ölkonzerns Shell, 14% seiner Produktion liegen in Nigeria, werden in Europa versteuert.

Nigerian Gas Flar Tracker

Gas Flaring – Warum Ölkonzerne auf Klimaschutz pfeifen, arte themenabend. Ein Film von Inge Altemeier und Steffen Weber, 2011

Perlentaucher zu Helon Habila: Öl auf Wasser, 2012 Deutscher Krimipreis International 2013

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Hühnerreste

In Europa wird gerne Geflügelbrust gegessen und dafür auch ein höherer Preis bezahlt. Der Rest kann für weniger als die Erzeugerkosten verkauft werden. Was auf dem europäischen Markt nicht abzusetzen ist, muss anderweitig verwertet oder entsorgt werden. Aus Europa werden, teils von Steuergeldern subventioniert, Hähnchenreste nach Afrika exportiert. Seit der BSE-Seuche 1996 dürfen Hähnchenreste in Europa nicht mehr zu Tierfutter zermahlen werden. Die Fleischreste werden damit zu „Abfall“ und tiefgekühlt nach Westafrika entsorgt.

Deren Preis liegt dort zu zwei Drittel unter den lokalen Preisen. 2010 wurden 660.000 Tonnen Geflügelreste nach Ghana importiert. Sie zerstörten die lokalen Märkte und ruinierten westafrikanische Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Von fünf Arbeitsplätzen in der Eigenzucht von Hühnern gibt es vier nicht mehr.

IWF und Weltbank machten die Nichtumsetzung eines parlamentarischen Beschlusses über eine Zollerhöhung für Geflügelteile zur Bedingung für die weitere Kreditvergabe. Horst Köhler war damals Präsident des IWF.

In Kamerun bildete sich Ende 2003 eine unabhängige Bürgerbewegung. Sie setzte 2005 die Rücknahme aller Importgenehmigungen für Geflügel durch. 2006 wurde der Versuch, neue Importgenehmigungen zu erteilen, durch die erste Großdemonstration von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in der Geschichte des Landes verhindert.

Europas Fleischreste auf afrikanischen Tellern, Deutsche Welle, Gwendolin Hilse, 17.01.2014

Fleischatlas, alle Ausgaben, Gemeinschaftsproduktion von Le Monde diplomatique, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem BUND.

Keine chicken schicken, Broschüre (PDF) 2010

Die Liebe der Europäer zur Hähnchenbrust Die Folgen für Afrika, von Bettina Rühl, DRadio Kultur Weltzeit 13.01.2010

Was Europäer niemals Essen / Hühner für Afrika – Vom Unsinn des globalen Handels,  2009

Association Citoyenne de Défense d’Intérêts Collectifs, kamerunische Bürgerbewegung

Erwin Pelzig: Das europäische Huhn (7.11.08)

 

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Kakao

Kakao wird vor allem an den Warenterminbörsen London und New York gehandelt. Dabei wird auf die zukünftige Preisentwicklung spekuliert und Kakao der nächsten oder auch übernächsten Saison gekauft oder verkauft. Lediglich 2% dieser Geschäfte führen zur tatsächlichen Lieferung von Kakao. Die Ernten wechseln viele Male den Besitzer, bevor überhaupt eine einzige Bohne physikalisch bewegt wird.

42% der weltweiten Kakaoerträge kommen aus der Elfenbeinküste, ca. 600.000 Kinder arbeiten dort in den Plantagen, bis zu 15 Stunden täglich. Viele von ihnen kommen aus Burkina Faso, Mali, Togo oder Benin. Sie werden von Menschenhändlern entführt und auf Plantagen in der Elfenbeinküste verkauft. Ihre Besitzer beuten sie unbegrenzt aus und halten sie wie Sklaven. Zehn bis vierzehn Jahre alte Kinder werden für 120 bis 230 Euro verkauft.

Der Jahreslohn für Erwachsene, die das ganze Jahr über auf der Farm arbeiten, liegt bei den meisten zwischen 100.000 und 200.000 Franc CFA, umgerechnet 150 bis 300 Euro. Ein Viertel der Befragten in der Studie „Die dunklen Seiten der Schokolade“ aus dem Jahr 2009 gab an, noch weniger zu verdienen.

Rohstoff für Schokolade: Millionen Kinder müssen auf Kakaoplantagen schuften, Spiegel Online, von Philipp Seibt, 5.8.2014

Schmutzige Schokolade, Film von Miki Mistrati, 2010

Schmutzige Schokolade II, Film von Miki Mistrati, NDR Sendedatum: 07.01.2013

aktiv gegen kinderarbeit: schokolade, Sammlung von Links

Amnesty Journal Dezember 2013,
Kinderschokolade

Die dunklen Seiten der Schokolade, Südwind Studie, 2009 (pdf)

2015 Cacao Barometer, von Friedel Hütz-Adams (Südwind-Institut) & Evelyn Bahn (Inkota Netzwerk) (pdf)

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Kartoffeln

Immer mehr heimische Bio-Kartoffeln landen im Müll, weil Supermärkte Importe aus Ägypten anbieten. Deutschland ist weltweit an sechster Stelle der Kartoffelerzeuger und exportiert etwa 2 Mio. Tonnen Kartoffeln pro Jahr. Etwa 130.000 Tonnen Frühkartoffeln werden dennoch importiert, weil diese den optischen Anforderungen des Handels besser entsprechen.

Für ein Kilogramm Bio-Kartoffeln aus Ägypten werden ca. 300 Liter Wasser benötigt. Die künstliche Beregnung des Bodens muss bereits 10 Tage vor der Aussaat beginnen und während der Wachstumszeit fortgesetzt werden. Meist werden dafür wichtige Grundwasservorkommen angebohrt, die sich im Laufe von Jahrtausenden angesammelt haben und sich kaum mehr erneuern – sogenanntes fossiles Wasser. Dieses Wasser fehlt bei der Versorgung der Menschen vor Ort mit sauberem Trinkwasser. Bei heimischen Kartoffeln werden dagegen lediglich ca. 9 bis 11 Liter Bewässerungswasser pro Kilogramm eingesetzt.

Kartoffelinitiative Afrika: Tolle Knolle oder absurde Entwicklungshilfe?, Oxfam-Blog, Marita Wiggerthale, 8. Januar 2016

Kartoffeln –
In den Sand gesetzt
, ÖKO-TEST Oktober 2015

Olle Knolle oder frische Frühe?, Schrot und Korn, März 2013

Heimische Bio-Kartoffeln sind Klimaschützer

Virtuelles Wasser • Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.: Kartoffeln und Gemüse

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Kleider

Im Schnitt kauft jeder Mensch in Deutschland rund 20 kg Textilien im Jahr, meist Kleidung. 750.000 Tonnen Altkleider werden jährlich gesammelt. Ein altes Kleidungsstück, das in Altkleidercontainern entsorgt wird, kann sich auf einem Markt in Afrika oder in einem Second-Hand-Geschäft in Osteuropa wiederfinden – oder als Dämmmaterial enden. Nur 4% der Spenden an das Deutsche Rote Kreuz werden über eine Kleiderkammer an Bedürftige in Deutschland abgegeben. Altkleider sind Rohstoff und Handelsware.

Altkleider für Afrika werden in Europa für 1,20 Euro pro Kilogramm vom Importeur aufgekauft und mit Aufschlag z.B. in Tansania weiter verkauft. Viele kleine Händlerinnen und Händler leben mittlerweile vom Altkleiderhandel. Durch die wachsende Armut in Tansania steigt auch der Bedarf an und der Handel mit Altkleidern.

Vor 20 Jahren gab es in Tansania eine eigene Textilindustrie. Für deren Niedergang werden asiatische Billigimporte und die Second-Hand-Kleidung aus Europa verantwortlich gemacht.

Altkleider: Der neue „Rohstoff“?, [w] wie wissen, 27.10.13 (Video, 07:20 Min.)

Neuer Kampf um alte Kleider: Altkleidersammlungen landen nicht nur bei Bedürftigen, tagesschau 3.1.2013

Die Altkleider-Lüge, Film von 2011

FairWertung: Kleidersammler sollen ehrlich informieren

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Landraub / Land Grabbing

Agrarland ist zu einem Investitions- und Spekulationsobjekt geworden. Die Ursachen sind vielfältig: Die Explosion der Nahrungsmittelpreise im Jahr 2008, die Finanzkrise, die Nahrungsmittelknappheit als Folge des Klimawandels sowie die steigende Nachfrage nach Agrotreibstoffen.
Rund 75% des Land Grabbings erfolgt mittlerweile in Afrika. Betroffen sind mindestens 23 Länder in sämtlichen Teilen des Kontinents, darunter auch krisengeschüttelte Staaten wie die D.R. Kongo, Süd-Sudan oder Äthiopien. Fast fünf Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche in Afrika ist von Land Grabbing betroffen. 66% aller Fälle betreffen Länder, in denen die Menschen ohnehin häufig Hunger leiden.

Deutsche Investoren haben laut der Land Matrix mehr als 500.000 Hektar Land gekauft. Die Deutsche Asset & Wealth Management GALOF (DWS) hat in Tansania 5.000 Hektar für den Anbau von Gerste und Weizen sowie in Sambia 27.000 Hektar Land erworben. Die DWS ist ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank.

Land Grabbing verletzt das Recht auf Nahrung. Landlosen oder landknappen Gemeinschaften werden Acker- oder Weideflächen vorenthalten oder entzogen.

Häufig handelt es sich um Flächen, die bereits von Kleinbäuerinnen oder Kleinbauern genutzt wurden und die mit dem Landverkauf vertrieben werden. Viehzüchtern geht der Zugang zu Wasserressourcen verloren, denn das gepachtete Land ist nur so wertvoll wie die damit verknüpften Wasserrechte. Werden – wie so oft – Pachtverträge über bis zu 99 Jahre abgeschlossen, so hat das auch Auswirkungen auf künftige Generationen.

Fehlende Landrechte leisten Landraub und Konflikten Vorschub, weltagrarbericht, 3.3.2016

Das Land, das wir uns nehmen (PDF), herausgegeben vom Klima-Bündnis Luxemburg, 2013. Darin Beispiele zu Brasilien, Biolovien, Kamerun und Rumänien.

Landgrabbing: Neokolonialer Landraub in Afrika.Der globale Widerstand wächst, Oliver Bernau, 2.5.2012

Stoppt Landgrabbing – Jetzt!, Dakar-Erklärung gegen Landraub (Weltsozialforum 2011) und Appel von Kolongo (Bäuerliches Forum von Kolongomoto im Zuge der Landnahmen in Mali 2010)

Großflächige Landnahmen, Die Gier nach Land verstärkt den weltweiten Hunger (Basistext), 2010

Land Matrix, Landverkäufe auf der ganzen Welt mitverfolgen

Food Crisis and the Global Land Grab, wird täglich aktualisiert und sammelt alle wichtigen Veröffentlichen zu landgrabbing

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Milchpulver

Im Januar 2009 hat die EU aufgrund des Preisverfalls von Milch Subventionen für den Export von Milchprodukten zeitweise wieder eingeführt. Die Importe von billigem Milchpulver vernichteten in der Folge die Lebensgrundlage kleiner Milchbäuerinnen und Milchbauern in Uganda, Burkina Faso und Sambia. Sie bekamen auf dem lokalen Markt für ihre frischen Erzeugnisse nur so viel, wie das importierte Milchpulver kostete.

Nicht die EU ist der größte Exporteur für Milchpulver nach Sambia. Es ist Südafrika. Südafrika hat mit der EU ein Wirtschaftsabkommen unterzeichnet und importiert daher auch Milchpulver mit geringeren Zöllen aus der EU. Es wird vermutet, dass ein Teil des nach Sambia exportierten Milchpulvers umdeklarierte oder umgepackte Ware aus der EU ist. Da sich Sambia und Südafrika in einem regionalen Wirtschafts- und Handelsbündnis befinden, gibt es hier keine oder nur geringe Zölle. Über diesen Umweg landet europäisches Milchpulver in Sambia.

Die Abhängigkeit von Weltbank und IWF verschärft die Problematik, da die Abschaffung von Zöllen gegenüber europäischen Produkten häufig zur Auflage gemacht wird, um Kredite zu erhalten.

Der Teufelskreis der Milch: Eine Katastrophe für Burkina Faso, 1.6.2016, Fluchtgrund

Das Milchpulver ist zu billig, MISEREOR, 15. Juli 2015

Es gibt gerade zu viel Milch auf dem Markt, Zeit online, 8. September 2015

Agrarsubventionen in der EU, 3sat.Mediathek, 21.9.2012

Die Milch macht’s – Kleinbäuerliche Milchproduktion in Burkina Faso und die Auswirkungen instabiler Weltmarktpreise, Studie von Misereror (pdf) Stand 2012

Folgen der EU-Handels und Agrarpolitik für Sambias Milchbauern, Kerstin Lanje, Andrea Müller-Krank, Tobias Reichert, Berit Thomsen. Hrsg. Germanwatch e.V. Oktober 2009(Sambia) (pdf)

Exportschlager Hungerkrise. Die europäische Agrarpolitik und ihre Opfer, von Armin Paasch. aus: »Blätter« 10/2010, Seite 78-86

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Mittelmeer

„Kurz nach dem Beginn unserer Reise wurde das Boot beschossen. Die Schüsse kamen von der Libyschen Küstenwache. Als wir internationale Gewässer erreichten, folgten sie uns und feuerten einige Male in die Luft. Wir fuhren weiter. Als wir italienische Gewässer erreichten verloren sie die Hoffnung und beschossen uns mit scharfer Munition. Sie erschossen zwei der Skipper. Einige Frauen wurden getroffen. Zum Schluss beschossen sie den Maschinenraum im Rumpf des Bootes, danach kam das Wasser in das Schiff. Das Schiff begann sich mit Wasser zu füllen und begann das Gleichgewicht zu verlieren. Wir riefen das italienische Rote Kreuz an, welche uns sagten, wir seien in maltesischen Gewässern. Wir riefen das maltesische Rote Kreuz an und die sagten uns, sie würden dann kommen. Wir fragten, wieviel Zeit sie brauchen würden und sie antworteten, 30 bis 40 Minuten. Sie schickten ein Flugzeug, bevor das Schiff sank. Es flog über uns und filmte uns. Da dachten wir, dass sie uns gesehen haben und uns zur Kenntnis genommen haben. Die Wellen wurden richtig groß und das Boot verlor das Gleichgewicht, lief im Schiffsbauch voll Wasser. Die Leute waren sehr verängstigt. Das Boot legte sich auf die rechte Seite und durch die Menschen auf der rechten Seite kenterte es. Die Leute hatten Rettungswesten an und warteten auf die Rettung. Als wir im Wasser waren, trieben uns die Wellen auseinander. Ich sah Menschen eine halbe Stunde schwimmen, um andere zu erreichen. Wir blieben eine Stunde oder eineinhalb Stunden im Wasser.“

Interview mit Ingo Werth, einem der Kapitäne der Sea-Watch, zu Gast bie DAS!, NDR 24.8.2015

Quelle: watch the med (aus einem BBC-Interview, 11.10.2013, eigene Übersetzung)

Flüchtlingsboot gekentert – bis zu 700 Tote befürchtet, tagesschau.de 19.04.2015

Dutzende Tote nach neuem Schiffsunglück befürchtet, spiegel online 16.04.2015

400 Flüchtlinge im Mittelmeer vermisst, spiegel online 14.04.2015

„The Migrants File“

12 Syrians saved by cargo Yalker and fisher boat near Lesvos Welcome 2 Lesvos – Just another Welcome To Europe site, 15.9.2013

Katastrophe vor Lampedusa: „Meine Freunde konnten nicht schwimmen“, Spiegel Online, 06.10.2013

Testimony of Dan Heile Gebre (summary) April 2011, Testimony of Dan Heile Gebre April 2011 (long version)

Watch The Med is an online mapping platform to monitor the deaths and violations of migrants’ rights at the maritime borders of the EU.

Fortress Europe, dokumentiert die Todesfälle an den EU-Außengrenzen (italienisch)

Massengrab Mittelmeer, medico unterstützt alternatives Alarmsystem gegen EU-Abschottungspolitik auf See

Der Traum vom Leben in Europa tagesschau.de, Reportagen über Flüchtlinge aus Afrika

afrique-europe-interact

borderline-europe, Menschenrechte ohne Grenzen e.V.

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Rosen

In Deutschland werden das ganze Jahr Rosen verkauft. Zwei Drittel dieser verkauften Rosen stammen aus Kenia. Nur für den Valentinstag 2010 waren dies zehn Lufthansa-Cargo-Frachtflugzeuge oder 850 Tonnen. Trotz des Transports ist die Klima-Bilanz der Rosen aus Kenia besser als die der Rosen aus den Niederlanden, da in Kenia die Gewächshäuser nicht beheizt werden müssen.

Am Rande der Stadt Naivasha liegen Rosenplantagen. Etwa 50.000 Menschen arbeiten dort und haben sich in der näheren Umgebung angesiedelt. Der Wasserspiegel des Naivasha-Sees in Kenia sinkt in dem Maße, wie die Blumenproduktion steigt. In der Folge entsteht Wassermangel für die Menschen, die Böden werden durch Pestizide und Abwasser vergiftet.

Blumen zum Valentinstag. Die lange Reise der Rosen, Zeit Online, 14.02.2010

Die Rosen Story, Ein Film von Michael Richter (2011). Redaktion: Norbert Hahn (WDR) / Anke Jahns (NDR), hier auf Spiegel TV verfügbar

Billig-Rosen: Afrikaner zahlen mit ihrer Gesundheit, Panorama Sendung vom 18. August 2011. (etwas andere, kurze Fassung der Rosen-Story, siehe vorherigen Link)

Rosen sind viel zu billig Interview mit Silke Peters. Zeit online 14.2.2015

Blumen aus dem fernen Afrika, 10.5.2012

netto blog

Flower Label Program am Ende, 08.01.2012

Statement von fairtrade zum Wasserverbrauch bei der Produktion von Fairtrade-Rosen, Februar 2013 (pdf)

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Seltene Erden

Seltene Erden nennt man Metalle, die eine zentrale Funktion bei der Produktion von Festplatten, Displays, Elektromotoren, Handys usw. haben, z.B. Tantal, Niob und Zirkonium.
Mehr als 95% der so genannten Seltenen Erden werden zurzeit von China gefördert. Inzwischen hat die chinesische Regierung Handelsabkommen mit verschiedenen afrikanischen Ländern getroffen, um sich dort die Explorationsrechte zu sichern.

Auch die Düsseldorfer Tantalus AG schürft im nördlichen Madagaskar nach seltenen Erden.
Coltan ist ein wichtiger Grundstoff für das seltene Tantal, ohne das kein Handy auskommt. In kongolesischen Minen schürfen die Bergleute mit bloßen Händen danach. Selbstverständlich gibt es keine geregelten Arbeitszeiten, Versicherungen oder festen Lohn. Deshalb arbeiten dort viele Kinder. Milizen und Rebellen kontrollieren den Coltanhandel. Mit den Erträgen verdienen die bewaffneten Gruppen fast 225 Mio. Dollar pro Jahr und finanzieren damit einen Krieg in Ost-Kongo, in dem – seriösen Schätzungen zufolge – bereits 1,7 Mio. Menschen starben.

Das Schweizer Unternehmen Glencore besitzt 75% der Anteile an einem der größten Minenunternehmen des Kongo, Katanga Mining Limited (KLM). Verschiedene NGOs kritisieren Glencore, weil die Minen keinerlei Sicherheitsstandards aufweisen. Die Untersuchung der Schweizer Organisation „Brot für Alle“ berichtet von Todesopfern, katastrophaler Umweltverschmutzung und systematischer Kinderarbeit.

Wie gerechte Smartphones produziert werden sollen, Süddeutsche Zeitung, 27.02.2013

Recht ohne Grenzen: Fallbeispiel Glencore, Schweizer Kampagnenseite zu Schweizer Konzernen

Verträge, Menschenrechte und Steuern: Wie ein Weltkonzern ein Land ausbeutet. Der Fall Glencore in der Demokratischen Republik Kongo, Brot für alle, 1.3.2011


Alte Handys in der Schublade? Zu SÜDWIND! Handysammelaktion bis Mai 2013

Von der Mine bis zum Konsumenten. Die Wertschöpfungskette von Mobiltelefonen von Friedel Hütz-Adams, Südwind-Institut, 6.11.2012

Schmuggel mit Blutmineralien von Simone Schlindwein, 19.04.2010. Spiegel 16/2010

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Soja

Soja ist ein wesentlicher Bestandteil in vielen Nahrungsmitteln. Ohne die Importe von Soja, die auf ehemaligen Tropenwaldflächen und in Afrika angebaut werden, wäre die Massentierhaltung in Europa nicht möglich. Nach dem Verbot der Verfütterung von Tiermehl im Zuge der BSE-Seuche stieg der Sojaschrotimport um 10% an. Mehr und mehr soll Soja auch für die Herstellung von Treibstoffen verwendet werden.

Früher wurden in Europa Leguminosen als Tierfutter angebaut. Heute müssen jährlich 40 Mio. Tonnen Soja als Viehfutter importiert werden. Das beansprucht rund 20 Mio. Hektar in Übersee und entspricht einem Zehntel der gesamten Agrarfläche der EU. Die Bohnen werden weltweit mittlerweile zu ca. 75% mit gentechnisch veränderten Pflanzen produziert. Über 95% des Gen-Soja sind gegen spezielle Pestizide resistent, wie z.B. Roundup von Monsanto. Monsanto verdient am Verkauf des Gen-Saatguts und der Pestizide, die auf die Herbizidresistenz des Saatguts abgestimmt sind. Schätzungen zufolge werden weltweit jährlich 2,5 Mio. Tonnen Pflanzengifte gespritzt.

Unsere Gier nach Futter, Das Beispiel Soja: Wie Europas Appetit auf Fleisch globale Umweltschäden verursacht. Dirk Asendorpf, Zeit online, 19.12.2011

transparente Gentechnik – Sojabohne, transGen-Datenbank, 25. Januar 2013

Das meistverkaufte Pflanzengift der Welt, zu Roundup von Monsanto, Umweltinstitut München, September 2011

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Tomatenpaste

Tomatenpaste aus Europa verdrängte in Ghana frische Tomaten auf den Marktständen. 1998 wurden etwa 3.300 Tonnen Tomatenpaste eingeführt. 2004 waren es bereits 24.700 Tonnen. In wenigen Jahren ist der Anteil heimischer Tomaten von 92% auf 57% gesunken. 2012 deckte Ghana 90% seines Tomatenverbrauchs durch EU-Importe.

Insgesamt exportieren die Europäer jährlich 400.000 bis 500.000 Tonnen ihrer Produktion von 11 Mio. Tonnen. Für einen Teil der Exporte, 135.000 Tonnen, bekommen sie eine Exportvergütung von 15 Cent pro Kilo.

Europäische Konzerne verkaufen exportierte Tomatenmark-Dosen in Ghana für 29 Cent. Ohne Subventionen müssten sie 58 Cent verlangen. Die ghanaischen Hersteller wären mit 35 Cent deutlich im Vorteil.

Seit Dezember 2007 haben Ghana und die EU ein Interims-Abkommen im Rahmen der geplanten “Economic Partnership Agreements” (EPA) unterzeichnet, die eine weitgehende Marktöffnung vereinbaren. Bislang wurde das endgültige EPA-Abkommen noch nicht abgeschlossen. Strukturanpassungsprogramme des IWF, die ähnliche Forderungen an die Regierung beinhalten wie das EPA, haben große Teile der ghanaischen Landwirtschaft in den Ruin getrieben. Subventionen und Mindestpreisgarantien müssen gestrichen werden, die Kreditvergabe wird eingeschränkt, Privatisierung und Liberalisierung stehen auf dem Plan.

Ein Mann pflückt gegen Europa, Wie Tomaten aus der EU afrikanische Bauern zu Flüchtlingen machen. Von Matthias Krupa. DIE ZEIT Nr. 51/2015, 17. Dezember 2015

Europa global – Hunger egal, Warum die Agrarpolitik der EU Nahrungskrisen verschärft, von Armin Paasch in sopos 3/2009

Afrikas Kleinbauern im Blickpunkt. Flyer von germanwatch

Die Economic Partnership Agreements (EPA) zwischen der EU und den AKP-Staaten, Tobias Wildner, März 2011

Tödliche Tomaten und billige Hähnchen, Süddeutsche Zeitung 17. Mai 2010

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Wasser

In unseren Regionen ist Wasser ein Lifestyle-Produkt: Perrier, Volvic oder Ja-Wasser? Ob Erdbeeren aus Südspanien, Kakao aus Ghana, Rindfleisch aus Brasilien: Ein Mensch in Deutschland importiert im Durchschnitt 4.000 Liter Wasser pro Tag allein durch die Produkte, die er kauft.

Zwei von zehn Menschen auf der Erde haben keinen oder ungenügenden Zugang zu sauberem Wasser. In vielen Ländern des globalen Südens, beispielsweise afrikanischen Ländern, gehen vor allem Mädchen und Frauen weite Wege, um das Wasser für die Familie zu beschaffen. Mädchen werden häufig aus diesem Grund nicht zur Schule geschickt.

Schon 2007 hatten über 1,2 Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Ein Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass im Jahr 2025 1,8 Mio. Menschen unter chronischem Wassermangel leiden werden. Die Vereinten Nationen rechnen in den nächsten 15 Jahren aufgrund von immer schneller wachsenden Trockengebieten mit 50 Mio. Umweltflüchtlingen.

Weltagrarbericht – Wasser

Virtuelles Wasser, ein Projekt der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.

Wasserstiftung – Wasserfakten: Zahlen & Fakten, Wasserverbrauch für die Herstellung von Lebensmitteln

Der Wasserfußabdruck Deutschlands. Woher stammt das Wasser, was in unseren Lebensmitteln steckt, (PDF) WWF Deutschland, Frankfurt am Mai 2009

Water-Makes-Money, Filmprojekt

Irie Revoltes – Viva con Agua

Der Krieg um Wasser findet nicht statt (1/2) , Mit offenen Karten, 26.06.2010

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Die Links wurden zuletzt aufgerufen im Mai 2016.


19.6.-16.7.2016: Matthaeus Gemeinde Darmstadt (Heimstättenweg 75, 64295 Darmstadt) || 04.03.- 25.03.2016: Weltladen Darmstadt (Elisabethenstr. 51, 64283 Darmstadt ) || 9.9.-4.10.2014: Cardabela-Buchladen (Frauenlobstr. 40, 55118 Mainz) || 26.5.-27.7.2014: kunst-werk-kostheim (Wilhelmstr 33a, 55246 Mainz-Kostheim) || 27.4.-25.5.2013 Atelier Hafenstraße (Hafenstraße 15, 55118 Mainz)